Heimvorteil im Fußball: Wie groß ist er wirklich und welche Vereine profitieren?

Im Fußball ist oft nicht nur der Gegner entscheidend, sondern auch der Spielort. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Heimvorteil“. Aber gibt es diesen überhaupt? Und wodurch wird dieser ausgelöst? In diesem Artikel widmen wir uns diesen und weiteren Fragen rund um den Heimvorteil im Fußball.

Jubelnde Fußballfans in einem vollen Stadion.

Vor heimischem Publikum zu spielen, ist für viele Mannschaften ein besonderes Gefühl. © wettanbieter.org

Zahlen der letzten 10 Jahre: Gibt es den Heimvorteil wirklich?

Jeder Fußballfan kennt den Heimvorteil und hat selbst schon beobachtet, dass die eigene Mannschaft zu Hause deutlich besser spielt als auswärts. Aber ist das tatsächlich ein Fakt, oder nur eine gefühlte Wahrnehmung? Bevor wir uns näher mit dem Heimvorteil beschäftigen, wollten wir klären, ob es ihn überhaupt gibt.

Dafür haben wir uns die letzten Spielzeiten der Bundesliga, der Premier League und der La Liga angeschaut. Wir haben verglichen, wie hoch der Anteil an Heimsiegen war, wie viele Heimtore gefallen sind und wie die Werte im Vergleich zur Auswärtsbilanz sind.

Bundesliga

Fangen wir mit der Bundesliga an. Vereine wie der FC Bayern München, Borussia Dortmund und Schalke 04 gelten als heimstarke Mannschaften. Sie spielen in riesigen Stadien und haben stets ihre Fans im Rücken. Doch ist das wirklich so? Hier findet ihr die Zahlen der letzten zehn Saisons:

Heimsiege 1.353
Remis 760
Auswärtssiege 947
Heimsiege in % 44,2 %
Auswärtssiege in % 30,9 %
Heimtore 5.269
Auswärtstore 4.205

Diese Zahlen zeigen uns ganz eindeutig, dass es in der Bundesliga einen Heimvorteil gibt. Im Schnitt gewinnen Teams 44,2 % ihrer Heimspiele, aber nur 30,9 % ihrer Auswärtsspiele.

Auch bei den Toren gibt es einen deutlichen Unterschied. In den vergangenen zehn Jahren kommen wir auf 5.269 Heimtore und 4.205 Auswärtstore. Der Heimvorteil scheint in der Bundesliga also kein Gefühl oder keine Tendenz zu sein. Er ist vielmehr faktisch belegbar.

Premier League

Machen wir mit der englischen Premier League weiter. Dort ist die Bedeutung von Heimspielen für die Fans und Vereine noch einmal viel größer als in der Bundesliga. Viele Vereine haben traditionsreiche Stadien, die fast schon als Festungen bezeichnet werden können. Wie hoch ist der Heimvorteil in Stadien wie dem Old Trafford oder der Anfield Road?

Schaut euch gerne die Zahlen der letzten zehn Saisons an:

Heimsiege 1.696
Remis 883
Auswärtssiege 1.221
Heimsiege in % 44,6 %
Auswärtssiege in % 32,1 %
Heimtore 5.910
Auswärtstore 4.863

Die Zahlen aus der Premier League bestätigen die Eindrücke, die wir aus der Bundesliga erhalten haben. In England liegt die Quote für Heimsiege bei 44,6 %, während es nur 32,1 % bei den Auswärtsspielen sind. Bei den Toren gibt es ebenfalls einen deutlichen Unterschied. In den letzten zehn Spielzeiten fielen 5.910 Heimtore, aber nur 4.863 Auswärtstore.

La Liga

Runden wir unsere ersten Analysen mit den Werten aus der spanischen La Liga ab. Auch für sie haben wir uns angeschaut, wie die Werte der letzten zehn Jahre sind. Dabei sind wir nach demselben Schema vorgegangen wie bei der Bundesliga und der Premier League:

Heimsiege 1.729
Remis 996
Auswärtssiege 1.075
Heimsiege in % 45,5 %
Auswärtssiege in % 28,3 %
Heimtore 5.645
Auswärtstore 4.305

Die Zahlen aus der La Liga stimmen weitestgehend mit den Tendenzen aus der Bundesliga und der Premier League überein. Sie sind sogar noch eindeutiger.

In Spanien liegt die Quote von Heimsiegen bei 45,5 % und damit sogar noch höher als in den anderen zwei Ligen. Die Quote von Auswärtssiegen liegt bei lediglich 28,3 %, was auffallend niedrig ist.

Auswertung: Der Heimvorteil ist real

Die Statistiken belegen ganz klar, dass es einen Heimvorteil im Fußball gibt. Nicht nur über einen kurzen Zeitraum, sondern über eine Spanne von zehn Jahren.

Dieses Phänomen ist in allen drei Ligen zu beobachten, die wir verglichen haben. Die Heimsiegquoten sind hoch:

  • La Liga: 45,5 %
  • Premier League: 44,6 %
  • Bundesliga: 44,2 %

Diese Langzeitanalyse belegt, dass der Heimvorteil nicht nur in einzelnen Ländern oder bei gewissen Mannschaften existiert. Er zieht sich vielmehr durch den europäischen Fußball.

Nicht nur die Quote an Heimsiegen ist höher, sondern auch der Wert der geschossenen Tore. In allen drei Ligen schießen die Mannschaften zuhause deutlich mehr Tore als auswärts. Das ist für uns eindeutig ein Grund, genauer hinzuschauen.

Wieso gewinnen Mannschaften zuhause häufiger?

Die Zahlen der vergangenen zehn Saisons haben bewiesen, dass viele Fußballteams zuhause tatsächlich häufiger gewinnen. Interessant ist, was überhaupt hinter dem Heimvorteil steckt und wieso so viele Mannschaften in ihrem eigenen Stadion stärker zu sein scheinen. Wir haben einige Gründe für euch zusammengestellt.

Fans & Atmosphäre

Fangen wir mit dem offensichtlichsten Grund an. Wenn im eigenen Stadion gespielt wird, befinden sich auf den Tribünen hauptsächlich die eigenen Fans. Sie sorgen mit Gesängen und Bannern für zusätzliche Motivation. Gleichzeitig können sie den Gegner stärker unter Druck setzen und ihn gegebenenfalls sogar aus dem Konzept bringen.

Jubelnde Fußballfans mit Schals und Flaggen.

Die Fans können ihr Team mit Gesängen, Schals und Co. unterstützen. © wettanbieter.org

Hinzu kommt, dass viele Mannschaften ihre Fans nicht enttäuschen möchten. Sie spielen besonders motiviert, um den Fans ein tolles Spiel zu präsentieren.

Beeinflussung des Schiedsrichters

Machen wir mit einem überraschenden Fakt weiter. Experimente haben gezeigt, dass Schiedsrichter bei vorhandenen Zuschauergeräuschen 15,5 % weniger Fouls gegen die Heimmannschaft pfeifen als beim gleichen Spiel ohne Publikumsgeräusche.

Woher dieser Effekt kommt, ließ sich bisher nicht eindeutig klären. Studien deuten aber auch an, dass Schiedsrichter dazu tendieren, die Heimmannschaft zu bevorzugen. Das zeigt sich nicht nur an den geahndeten Fouls, sondern auch an den gegebenen Karten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Fans den Schiedsrichter und seine Entscheidungen aktiv beeinflussen können. Es scheint sich vielmehr um unbewusste Prozesse zu handeln.

Keine Reisen vor dem Spiel

Ein ganz einfacher Grund kann der Heimmannschaft einen Vorteil verschaffen. Da sie im eigenen Stadion spielt, hat sie unmittelbar vor dem Spiel keine Reisebelastung. Sie muss nicht mit dem Flugzeug oder dem Bus stundenlang an einen anderen Ort reisen. Auch der gewohnte Tagesablauf kann beibehalten werden.

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Die Auswärtsmannschaft sieht sich jedoch mit all diesen Dingen konfrontiert. Obwohl die Reisen heutzutage so komfortabel wie möglich gestaltet werden, können sie zumindest einen Teil zum Heimvorteil beitragen. Bei internationalen Spielen, etwa in der Champions League, dürfte der Effekt größer sein als bei nationalen Begegnungen.

Gewohnte Umgebung

Die Heimmannschaft kennt ihren Platz, das Stadion, die Kabinen und die weiteren örtlichen Gegebenheiten sehr genau. Dadurch spielt sie in vertrauter Umgebung, was einen kleinen Einfluss auf das Spiel haben kann.

Merklich größer wird der Einfluss, wenn in ungewöhnlichen Umgebungen gespielt wird. Weichen Platz und Stadion deutlich vom gewohnten Standard ab, kann dies das Spiel mehr beeinflussen. Zu beobachten ist dies beispielsweise bei der norwegischen Mannschaft Bodo Glimt: Sie spielt in ihrem Stadion, dem Aspmyra-Stadion, auf Kunstrasen, was für Auswärtsmannschaften extrem ungewohnt ist.

Psychologischer Effekt auf die Spielweise

Verschiedene Untersuchungen sind zu dem Schluss gekommen, dass bei Spielen vor heimischem Publikum ein psychologischer Effekt entsteht. Heimmannschaften haben im Schnitt mehr Ballbesitz, treten selbstbewusster auf und schießen auch öfter aufs Tor als Auswärtsmannschaften.

Unklar ist dabei allerdings, was die Ursache und was die Folge ist. Es ist denkbar, dass Mannschaften offensiver spielen, weil sie zuhause sind. Es könnte aber auch sein, dass die Fans sie dazu bringen.

Was uns die Corona-Pandemie über den Heimvorteil gelehrt hat

Normalerweise sind Heimspiele kaum von der Atmosphäre und den Fans zu trennen. Dadurch wird es schwer, zu ergründen, welche Faktoren welchen Einfluss haben. Während der Corona-Pandemie war dies jedoch möglich, da viele Spiele ohne Publikum stattfinden mussten.

Insbesondere in den Saisons 19/20 und 20/21 gab es viele Geisterspiele. Statistiken zeigen, dass das fehlende Publikum einen massiven Effekt auf die Heimstärke der Teams hatte.

Wir schauen uns dafür die Werte aus der Bundesliga, der Premier League und der La Liga an. Dieses Mal schauen wir uns die Parameter im Fünfjahresverlauf an. Die Saison 18/19 war die letzte komplette Saison vor Corona und ab 22/23 verlief der Spielbetrieb wieder normal. Hier seht ihr das Verhältnis von Heimsiegen zu Auswärtssiegen:

Saison Bundesliga Premier League La Liga
18/19 45,1 % zu 31,0 % 47,6 % zu 33,7 % 44,2 % zu 26,8 %
19/20 40,2 % zu 37,6 % 45,3 % zu 30,5 % 45,8 % zu 26,6 %
20/21 42,2 % zu 31,4 % 37,9 % zu 40,3 % 41,6 % zu 29,7 %
21/22 46,7 % zu 29,4 % 42,9 % zu 33,9 % 43,4 % zu 27,4 %
22/23 47,4 % zu 28,1 % 48,4 % zu 28,7 % 47,9 % zu 28,7 %

Diese Auswertung liefert uns interessante Erkenntnisse. Vor der Corona-Pandemie war der Heimvorteil in allen drei Ligen deutlich sichtbar. Die Heimsiegquote lag deutlich über der Auswärtssiegquote.

Während Corona wurde der Abstand dann immer kleiner. In der Bundesliga lag das Verhältnis zwischenzeitlich bei 40,2 % zu 37,6 %. In der Premier League war der Effekt der Geisterspiele am deutlichsten: Dort hat sich das Verhältnis sogar umgedreht und lag bei 37,9 % zu 40,3 %. Die Zahlen sprechen dafür, dass das Fehlen der Zuschauer den Heimvorteil also deutlich abgeschwächt hat.

Nach der Corona-Pandemie, als das Publikum wieder zugelassen war, ist der Heimvorteil wieder gewachsen und die Quoten näherten sich ihren Ausgangswerten an.

So erleben Spieler den Heimvorteil

Nachdem wir uns verschiedene Statistiken angeschaut haben, wechseln wir jetzt zur Spielerperspektive. Denn nicht nur die Fans bemerken den Heimvorteil, sondern auch die Spieler. In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder verschiedene Fußballspieler zu dem Thema geäußert und ihre Erfahrungen geschildert.

Ein Beispiel dafür ist Karim Adeyemi. Der Ex-Dortmunder äußerte sich im März 2025 vor dem Champions-League-Heimspiel gegen den LOSC Lille. Damals sagte er:

„Ich weiß, dass es eine gute Mannschaft ist. Es wird kein einfaches Spiel. Für Lille wird es aber auch nicht einfach, hier etwas zu holen, weil wir zu Hause mit den Fans im Rücken nochmal ein Stück besser sind.“
Karim Adeyemi
ehemaliger Spieler bei Borussia Dortmund, Pressemitteilung des BVB

Trainer Niko Kovač fügte hinzu, dass der BVB den Gegner mit der Atmosphäre im heimischen Signal Iduna Park beeindrucken könne. Er hob die Fans sogar als die Stärke des Vereins hervor. Sowohl für Adeyemi als auch für Kovač sind die Fans also ein zentraler Teil des Heimvorteils.

Auch Wataru Endo vom FC Liverpool hat sich 2024 zu den Fans geäußert. Nach einem Heimsieg gegen Brighton & Hove Albion betonte er, welchen Einfluss die Unterstützung des Publikums auf den knappen Sieg gehabt hat:

„Die Stimmung in Anfield war der Wahnsinn (…) Die Fans haben eine unglaubliche Atmosphäre geschaffen, und ich glaube, wir haben das Gefühl, dass wir einen zusätzlichen Spieler auf dem Platz hatten. Vielen Dank, dass ihr uns immer unterstützt.“
Wataru Endo
Spieler beim FC Liverpool, Pressemitteilung des FC Liverpool

Besonders interessant ist auch ein Kommentar von Bernardo Silva aus dem August 2026. Silva wechselte diesen Sommer zu Real Madrid und kannte das berüchtigte Bernabéu-Stadion bisher nur aus der Perspektive des Gegners.

Plötzlich Heimspiele im Bernabéu zu absolvieren, beschrieb er mit folgenden Worten:

„Es war sehr schwierig, im Bernabéu zu spielen, und jetzt hoffe ich, dass es umgekehrt ist, dass es sehr einfach wird. Es ist zweifellos eines der beeindruckendsten Stadien, wenn nicht das beeindruckendste, in dem man spielen kann. Wenn du sehr jung bist, spürst du das Publikum und das Stadion sehr. Jetzt, wo ich auf dieser Seite stehe, möchte ich das zu meinem Vorteil nutzen und es genießen. Ich hoffe, dass ich sehr besondere Nächte in diesem Stadion erleben und den Madridistas viele Freuden bereiten kann, denn das ist das Wichtigste.“
Bernardo Silva
Spieler bei Real Madrid, Pressemitteilung von Real Madrid

Bernardo Silva hebt hervor, dass der Heimvorteil nicht nur einen Effekt auf die Heimmannschaft hat. Seiner Auffassung nach beeinflusst er auch den Gegner. Insbesondere dann, wenn es sich um beeindruckende Stadien mit großer Geschichte handelt.

Welche Bundesliga-Vereine haben den größten Heimvorteil?

Wir haben jetzt schon viel über den Heimvorteil erfahren und jetzt wird es konkret. Natürlich ist der Heimvorteil nicht bei allen Mannschaften gleich. Wir haben uns bis jetzt nur die Durchschnittswerte in der gesamten Bundesliga angeschaut.

Jetzt werfen wir aber einen konkreten Blick auf die einzelnen Mannschaften. Wir haben uns gefragt, welche Bundesligateams in den vergangenen zehn Spielzeiten zuhause am stärksten waren.

Das Ergebnis ist wenig überraschend:

Platz Verein Heimspiele Heimsiege Siegquote zuhause
1. FC Bayern München 170 132 77,6 %
2. Borussia Dortmund 170 119 70,0 %
3. RB Leipzig 170 104 61,2 %
4. Bayer Leverkusen 170 90 52,9 %
5. Borussia Mönchengladbach 170 81 47,6 %

In dem Ranking finden sich die besten Bundesliga-Mannschaften der letzten Jahre wieder. Der FC Bayern führt die Tabelle klar an. Das liegt daran, dass der FC Bayern nicht nur viele Heimspiele gewinnt, sondern allgemein viele Spiele für sich entscheidet – auch auswärts. Ähnliches gilt für die anderen Mannschaften in dem Ranking.

Wir haben uns deshalb gefragt, wie es aussieht, wenn man die Heimsiegquote der Auswärtssiegquote gegenüberstellt. Denn diese zeigt uns, bei welchem Team das Verhältnis am stärksten auseinandergeht.

Mit diesen Parametern fällt das Ergebnis deutlich anders aus:

Platz Verein Heimsiegquote Auswärtssiegquote Heimvorteil
1. Borussia Dortmund 71,8 % 47,1 % +24,7 %
1. RB Leipzig 64,7 % 40,0 % +24,7 %
3. Borussia Mönchengladbach 42,4 % 18,8 % +23,5 %
4. VfB Stuttgart 50,6 % 30,6 % +20,0 %
5. VfL Bochum 35,3 % 16,2 % +19,1 %

Diese zweite Auswertung liefert spannende Erkenntnisse. Der FC Bayern München hat zwar die meisten Heimspiele gewonnen, aber anscheinend nicht den größten Heimvorteil – denn der Verein gewinnt auch auswärts 64,7 %. Der Heimvorteil liegt also nur bei +12,9 %.

Tatsächlich sind es Borussia Dortmund und RB Leipzig, die laut den Ergebnissen der letzten fünf Jahre den größten Heimvorteil haben. Das bedeutet, dass sie zuhause im Verhältnis zu ihren Auswärtsleistungen wesentlich stärker sind.

Diese Bundesliga-Teams sind auswärts stärker

  • Während wir in diesem Artikel nur über den Heimvorteil sprechen, gibt es tatsächlich auch Teams, die von diesem Vorteil überhaupt nicht zu profitieren scheinen. Dabei handelt es sich um den SV Darmstadt 98, Arminia Bielefeld und den VfL Wolfsburg.
  • Unsere Analysen haben ergeben, dass der SV Darmstadt 98 eine der schlechtesten Heimspielbilanzen der letzten fünf Jahre hat.
  • Darmstadt gewann 5,9 % seiner Heimspiele und 11,8 % seiner Auswärtsspiele. Das ergibt eine Quote von -5,9 %. Dazu muss aber gesagt werden, dass Darmstadt nur eine Saison in der Bundesliga gespielt hat.
  • Ähnlich sieht es bei der einen Bundesligasaison von Arminia Bielefeld aus: 11,8 % Heimsiege und 17,6 % Auswärtssiege.
  • Deutlich aussagekräftiger dürften die Werte des VfL Wolfsburg sein. Der Verein hat die letzten fünf Jahre in der Bundesliga gespielt.
  • Dabei hat der Verein 28,2 % seiner Heimspiele gewonnen. Auswärts waren es 34,1 %.
  • Diese Werte zeigen an, dass diese drei Mannschaften auswärts stärker waren als zuhause. Was dahintersteckt, dürfte ebenfalls komplex sein und genügend Material für einen eigenen Artikel liefern.

In welchen europäischen Stadien verlieren Auswärtsteams besonders häufig?

Wir haben bereits viel über die Bundesliga, die Premier League und die La Liga erfahren. Dabei kam für uns die Frage auf, in welchen europäischen Stadien der Heimvorteil besonders groß ist. Denn diese Information könnte uns dabei helfen, mehr darüber zu erfahren, was den Heimvorteil genau ausmacht.

Dabei wollten wir uns aber nicht einfach nur auf unser Gefühl verlassen und sagen „in Anfield singen die Fans besonders viel“ oder „bei Besiktas ist es immer laut“. Wir haben uns stattdessen die notwendigen Daten besorgt, die diese Thesen auch wirklich belegen könnten. Wir haben geschaut, in welchen europäischen Stadien innerhalb der letzten fünf Jahre die Heimmannschaft in der nationalen Liga am stärksten war.

Platz 1: Estádio José Alvalade – Sporting Lissabon

Sporting Lissabon war in den vergangenen fünf Jahren die heimstärkste Mannschaft in Europa. Das Team hat 85 Heimspiele absolviert und davon 71 gewonnen. Das ergibt eine Heimsiegquote von 83,5 %. In der Saison 23/24 hat Sporting sogar alle 17 Heimspiele gewonnen.

Sporting Lissabon spielt im Estádio José Alvalade, das euch bei diesem Ranking bestimmt nicht als Erstes in den Sinn gekommen ist. Das Stadion wurde im Jahr 2003 eröffnet und 2025 renoviert. Es bietet Platz für 52.095 Zuschauer und ist komplett in Grün und Weiß, den Farben Sportings, gestaltet.

Aufnahme des Estádio José Alvalade. Der Heimstätte von Sporting Lissabon.

Das Stadion von Sporting ist komplett in den Vereinsfarben gestaltet. © Wikipedia

Wenn im Estádio José Alvalade gespielt wird, hallen Fangesänge durch das Stadion, es werden Choreografien auf der Tribüne aufgeführt und auch die Ränge erstrahlen in Grün-Weiß. Insbesondere der Gesang zeichnet die Heimspiele in dem Stadion aus.

Platz 2: Philips Stadion – PSV Eindhoven

PSV Eindhoven hat in unserer Auswertung die zweithöchste Heimsiegquote. Von den letzten 85 Heimspielen hat der Verein 70 gewonnen. Das macht eine Quote von 82,4 %. Damit landet PSV nur knapp hinter Sporting Lissabon.

Das Philips Stadion wurde bereits 1913 gebaut und zählt damit zu den älteren Fußballstadien in Europa. Es gab zahlreiche Renovierungen, die letzte davon im Jahr 2002. Die Kapazität liegt aktuell bei 35.119 Plätzen.

Auch im Philips Stadion ist die Geräuschkulisse enorm. Die Fans singen meist ununterbrochen und bringen ihre Mannschaft damit auch in schwierigen Momenten wieder nach vorne. Gigantische Choreografien und Fan-Aktionen im gesamten Stadion sind keine Seltenheit.

In diesem Video könnt ihr euch einen Eindruck davon verschaffen, wie atemberaubend die Stimmung im Philips Stadion sein kann:

Platz 3: Estádio do Dragão – FC Porto

Wieder ein Stadion aus Portugal. Der FC Porto ist in seinem Heimatstadion, dem Estádio do Dragão, eine echte Macht. In den letzten fünf Saisons hat die Mannschaft 68 von 85 Heimspielen, also 80 %, gewonnen. Insgesamt hat Porto in diesen fünf Spielzeiten sogar nur fünf Spiele zu Hause verloren.

Aufnahme des Estádio do Dragão. Der Heimstätte des FC Porto.

Das Dach des Stadions soll an den Rücken eines Drachens erinnern. © Wikipedia

Das Drachenstadion wurde 2003 eröffnet und bietet Platz für 50.033 Fans. Das Stadion ist für seine leidenschaftlichen Fans bekannt, die eine sehr emotionale Kulisse schaffen. Insbesondere bei Top-Spielen ist die Stimmung elektrisierend. Es heißt aber auch, dass die Stimmung bei einer schlechten Leistung des FC Porto kippen kann und dann die eigene Mannschaft ausgepfiffen wird.

Platz 4: Santiago Bernabéu – Real Madrid

Weiter geht es mit einem Stadion, das auf dieser Liste zu erwarten war. Real Madrid hat in den letzten fünf Saisons 74 Siege aus 95 Heimspielen geholt. Das ergibt eine Quote von 77,9 %. In der Spielzeit 23/24 haben die Madrilenen sogar kein Liga-Heimspiel verloren. In den letzten fünf Spielzeiten verlor Real Madrid lediglich sechs Ligaspiele zu Hause.

Das Santiago Bernabéu ist eines der berüchtigtsten Stadien Europas. Es wurde 1947 eröffnet und bietet heute Platz für 83.186 Zuschauerinnen und Zuschauer. Damit ist es das größte Stadion in diesem Ranking. Falls ihr schon mal ein Spiel geschaut habt, das im Bernabéu stattfindet, dann kennt ihr die Atmosphäre wahrscheinlich schon. Die Fans sind extrem leidenschaftlich und laut – deshalb gilt das Stadion als echter Hexenkessel:

Platz 5: Allianz Arena – FC Bayern München

Das Ranking endet mit einem Stadion, das wir auf dieser Liste erwartet haben. Der FC Bayern München hat in den letzten fünf Saisons 66 Siege aus 85 Heimspielen geholt. Mit einer Quote von 77,6 % landen die Münchner knapp hinter den Madrilenen.

Auch in der Allianz Arena herrscht eine beeindruckende Stimmung. Die Fans führen Choreografien auf, zeigen vor dem Anpfiff riesige Banner, wenn „Stern des Südens“ abgespielt wird, und singen während der Spiele. Fans beschreiben, dass die Stimmung insbesondere bei Champions-League-Spielen hochkocht, während es bei normalen Liga-Spielen oft familiär zugeht.

Auswertung: Nicht das Stadion ist der Vorteil, sondern die Fans

Diese Analyse lässt vermuten, dass anscheinend nicht das Stadion der größte Heimvorteil ist. Die Top-5-Stadien aus diesem Kapitel haben keine Besonderheiten. Manche sind neuer, andere ältere. Manche bieten mehr Platz, andere weniger. Doch es handelt sich um Fußballstadien, wie es sie hundertfach in Europa gibt.

Aufnahmen aus den Stadien zeigen, dass es vor allem die Fans sind, die die Stimmung hochkochen lassen. Und genau deshalb haben es Auswärtsmannschaften in diesen Stadien so schwer.

Ist der Heimvorteil bei Derbys & Top-Spielen besonders groß?

Wir haben uns den Heimvorteil bereits aus verschiedenen Blickwinkeln angeschaut. Was jetzt noch fehlt, sind die Derbys und Top-Spiele, denn sie bilden eine Ausnahme im normalen Ligabetrieb. Wenn Dortmund gegen Schalke oder Liverpool gegen Everton spielt, dann kochen die Emotionen oft hoch.

Wir haben deshalb einen genauen Blick auf ebendiese Derbys und Top-Spiele geworfen. Dabei haben wir ermittelt, wie oft die jeweilige Heimmannschaft in Derbys und Top-Spielen gewonnen hat. Wir haben uns wieder die letzten zehn Jahre in der Bundesliga, der Premier League und der La Liga angeschaut.

Die Ergebnisse haben uns überrascht:

Derby Spiele Heimsiege Remis Auswärtssiege Heimsiegquote
Arsenal – Tottenham 20 12 4 4 60,0 %
Bayern – Dortmund 20 10 3 7 50,0 %
Liverpool – Everton 20 9 7 4 45,0 %
Barcelona – Real Madrid 20 9 3 8 45,0 %
Manchester City – Manchester United 20 8 3 9 40,0 %
Real Madrid – Atlético 20 7 10 3 35,0 %

Wir haben insgesamt 120 Spiele ausgewertet. Dabei lag die Heimsiegquote bei 45,8 %. Vorher hatten wir bereits ermittelt, dass die allgemeine Heimsiegquote in den drei Ligen bei 44,8 % liegt. Bei den von uns untersuchten Derbys ist der Heimvorteil also nicht besonders groß, sondern entspricht dem Niveau von anderen Liga-Spielen. Das hat uns überrascht.

Wir müssen aber dennoch über einzelne Begegnungen sprechen, denn einige Duelle sind sehr auffällig. Das gilt vor allem für das London-Derby zwischen Arsenal und Tottenham. Die Heimmannschaft gewann 60 % der Derbys, was deutlich über der normalen Heimsiegquote liegt. In Nordlondon scheint der Heimvorteil groß zu sein.

Genau andersherum ist es hingegen beim Manchester-Derby. Der prozentuale Anteil von Auswärtssiegen ist sogar höher als die Heimsiegquote. Im Madrid-Derby zwischen Real und Atlético endete die Hälfte aller Spiele mit einem Unentschieden. Die Heimmannschaft hat von 20 Spielen nur siebenmal gewonnen.

Was bedeutet der Heimvorteil für Fußballwetten?

Wenn ihr gerne auf Fußball wettet, dann habt ihr dabei vielleicht auch manchmal den Heimvorteil im Hinterkopf. Dabei lohnt es sich aber, genauer hinzuschauen.

Der Heimvorteil ist bei den besten Fußball-Wettanbietern bereits in die Quoten eingerechnet. Heimwetten sind also nicht gleich attraktiver, nur weil ein Team zuhause stärker ist.

Bei Mannschaften wie dem FC Bayern München kann der Heimvorteil außerdem trügerisch sein, denn das Team gewinnt sowohl zuhause als auch auswärts oft. Entscheidend sind also die Teams, die zuhause deutlich stärker sind als auswärts. Dann solltet ihr den Heimvorteil beim Wetten unbedingt berücksichtigen.

Grundsätzlich spielen nicht nur der Heimvorteil, sondern auch die Form, Ausfälle, die personelle Situation und viele weitere Faktoren eine Rolle. Der Heimvorteil kann also ein sinnvoller Faktor bei der Einschätzung von Spielen sein, sollte aber nie isoliert betrachtet werden.

Der zwölfte Mann ist nur ein Teil der Erklärung

Was nehmen wir aus dem Artikel mit? Der Heimvorteil ist statistisch klar nachweisbar. Er entsteht aber nicht nur durch die Fans, sondern durch mehrere kleine Puzzleteile – das hat die Corona-Zeit deutlich gezeigt. Auch die vertraute Umgebung, die fehlende Reisebelastung und Schiedsrichtereffekte machen den Heimvorteil aus.

Dieser Effekt ist aber nicht bei jedem Verein und in jedem Stadion gleich stark. Manche Teams tun sich zuhause sogar schwerer als auswärts. Wichtig ist auch, dass der Heimvorteil in Derbys nicht automatisch größer ist als in anderen Spielen. Wenn ihr also Wetten auf Fußballspiele platziert, kann der Heimvorteil ein Faktor sein, aber kein ausschlaggebendes Kriterium.

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